Waghäusel - Eremitage - Von Außen / Von Osten - Blick auf den nordöstlichen Kavalierspavillon (aufgenommen im April 2019, am Vormittag)
Waghäusel - Eremitage - Von Außen / Von Nordwest - Blick auf den Zentralbau, die Flügelanbauten, das Mansarddach und das Kuppelgeschoss (aufgenommen im Mai 2019, am frühen Abend)
Waghäusel - Eremitage - Von Außen / Von Westen - Blick auf den südöstlichen Kavalierspavillon (aufgenommen im Mai 2019, am frühen Abend)

Beschreibung & Zeittafel: Eremitage in Waghäusel

Um 1715Entschluss von Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim zum Bau einer Eremitage in Waghäusel, nahe der Wallfahrtskirche und dem Kloster
Zweck der Anlage: die Eremitage sollte der Kontemplation, als "Rückzugsort ins Private" und ebenso als Jagdschloss dienen.
Um 1723Erste Pläne der Anlage durch Johann Michael Ludwig Rohrer, dem Rastatter Hofbaumeister von Franziska Sibylla Augusta von Sachsen-Lauenburg
26. September 1724Grundsteinlegung durch Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim
1724 bis 1729Bau der ersten barocken Schlossanlage, verbunden mit einem Garten und einem Ökonomiehof, unter Johann Michael Ludwig Rohrer
Vorbild der Eremitage: das nicht mehr existierende Sommerschloss Marly-le-Roi, erbaut unter Ludwig XIV. (dem "Sonnenkönig"), ein von Pavillons umgebener Hauptbau. Die Eremitage wurde Vorbild für weitere spätere Bauten, unter anderem Schloss Clemenswerth im Emsland und das Jagdschloss auf dem Carlsberg bei Weikersheim.
Ab 1730Ersetzung der acht kleinen Eremitenhäuschen durch vier zweistöckige Kavalierpavillons mit quadratischem Grundriss, Verbindung der Pavillons durch eine Ringmauer. Pläne dazu wohl von Johann Balthasar Neumann
Nutzung der Pavillons: der südöstliche Pavillon ("Küchenbau") war für die Küche bestimmt, der nordöstliche ("Gardebau") für die wachhabende "Garde zu Pferd und Fuß", der südwestliche ("Fremdenbau") und der nordwestliche Pavillon ("Cavalierbau") für die fürstlichen Gäste.
Weitere Anlagen im Westen, in Richtung Oberhausen: Ökonomiehof mit Zehntscheuer, Amtskellerei, Pferdeställen, Wachstube, Jägerhaus, Gärtnerhaus und Zollhaus sowie zwei Weiher
1747Franz Christoph von Hutten zum Stolzenberg beauftragt Johann Balthasar Neumann mit einer Erweiterung des Hauptbaus.
Neumanns Vorschlag: Erweiterung des Hauptbaus um zwei große Flügel; realisierte Umgestaltung: Anbau von vier neuen "Flügeln" oder "Ohren", der heutige kreuzförmige Grundriss entstand. Nutzung des Erdgeschosses für die fürstbischöflichen Appartements und eine Hauskapelle
Erweiterung der vier quadratischen Pavillons, Umbau zu rechteckigen Pavillons mit Teilen außerhalb der Ringmauer
1783Unter Damian August Philipp Karl Reichsgraf von Limburg-Stirum Umbau des Eingangsbereichs des Hauptbaus; Einbau einer Uhr und eines Glockentürmchens sowie eines schmiedeeisernen Altans über der Freitreppe
Nach 1803Übergang des Besitzes der Anlage an den Badischen Staat (durch den Reichsdeputationshauptschluss). Der letzte Speyerer Fürstbischof Philipp Franz Wilderich Nepomuk von Walderdorf behält bis zu seinem Tod 1810 ein Wohnrecht in Waghäusel.
Nach 1810Nach dem Tod des letzten Speyerer Fürstbischofs wird die Anlage ausgeräumt und steht zur Disposition, selbst ein Abriss wurde überlegt.
1837Kauf des Geländes (13 Hektar), der Eremitage und des Ökonomiehofs durch die „Badische Gesellschaft für Zuckerfabrikation“ (die spätere Südzucker AG) für den Betrag von 22670 Gulden
Nach 1837Ersetzung aller barocken Wirtschaftsgebäude durch neue Industriebauten, Nutzung des Eremitage-Hauptbaus durch die Fabrikverwaltung, der Kavalierhäuser als Werkswohnungen und zeitweise des südwestlichen "Fremdenbaus" als Wohnung für Fabrikdirektoren
Nach 1870Verlängerung des "Fremdenbaus", Einbau einer Veranda in Form der Gründerzeit
Nach 1920Letzter großer Umbau am Hauptgebäude: Zuschüttung des Kellers unter dem Eingangsbereich, Entfernung der barocken Freitreppe mit der eisernen Baldachin-Architektur, Schaffung des heutigen neuklassizistischen Eingangs sowie eines dreigeschossigen Kuppelsaals (mit Sicht vom ersten Stock zu Marchinis Deckengemälde) in der Gebäudemitte
1946Brand und Einsturz des Dachstuhls, Zerstörung der historischen Dachkonstruktion sowie des Deckenfreskos von Giovanni Francesco Marchini aus dem Jahr 1736
Um 1960Ersetzung des zentralen Dachs der Nachkriegszeit durch ein einfaches Zeltdach mit 16 Graten. Entfernung der letzten sechs der ursprünglich 16 Kaminköpfe
Um 1970Abriss des nordwestliche Kavaliershauses, Bau eines Melassetanks an gleicher Stelle
Ab Mitte 1980er JahreAuftrag an die Architekten der Arbeitsgemeinschaft Eremitage unter Leitung von Uta Hassler: gründliche Bestandserfassung und Bauforschung sowie behutsame Instandsetzung der Anlage ohne rekonstruierende oder stilbereinigende Eingriffe
1988 bis 1992Renovierung der drei Kavalierhäuser
1995Einstellung der Zuckerproduktion in Waghäusel
1997Die Südzucker AG verkauft das Gelände und die Eremitage an die Stadt Waghäusel für einen symbolischen Preis von 1 DM.
Nach 1997Erneute Bestandserfassung und bauhistorische Untersuchung; Ziele sind u.a.: Rekonstruktion des zentralen Zeltdachs mit der charakteristischen Bekrönung und den sechzehn Kaminen; Belassung des Innenraums entsprechend dem Umbau der zwanziger Jahre; Freilegung des Kellers unter dem Eingangsbereich und der Reste des von Balthasar Neumann konzipierten Treppenhauses; teilweise Wiederherstellung des historischen Wege-Achsensystem durch Pflanzung von Baumalleen
2000 bis 2015Aufwendige Sanierung und Renovierung der Gebäude, außen und innen
2004Einbau eines neuen, dem historischen Vorbild nachempfundenen Dachstuhls aus Stahl und Holz
2010 bis 2013Innensanierung des Hauptbaus
Nach 2013Schrittweise Zugänglichkeit der Eremitage für die Öffentlichkeit; zunehmende Nutzung als kulturelles Zentrum
2020Eröffnung des Museums in der Eremitage im Obergeschoss des Hauptbaus mit vier Themenräumen; Eröffnung des Humorparks in einem der Kavalierhäuser, eines Museums über Humor und Karikatur
Quellen: Hinweistafel (an der östlichen Friedrich-Hecker-Allee) sowie etliche Weblinks; siehe auch: Die Geschichte der Eremitage Waghäusel sowie Vom barocken Jagdschloss zum städtischen Kulturort. Die Sanierung der Eremitage Waghäusel.

Galerie: Historische Pläne – Eremitage Waghäusel (außerhalb von Schloss Bruchsal)

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Bildnachweise: Universitätsbibliothek Heidelberg, „Rott, Hans; Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]: Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 9,2): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Bruchsal (Kreis Karlsruhe). Tübingen, 1913“ – CC-BY-SA-3.0.

Galerie: Ensemble – Eremitage Waghäusel (außerhalb von Schloss Bruchsal)

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Galerie: Hauptbau – Eremitage Waghäusel (außerhalb von Schloss Bruchsal)

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Galerie: Kavalierspavillons – Eremitage Waghäusel (außerhalb von Schloss Bruchsal)

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Galerie: Eingangsbereich – Hauptbau – Eremitage Waghäusel (außerhalb von Schloss Bruchsal)

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Galerie: Halle – Hauptbau – Eremitage Waghäusel (außerhalb von Schloss Bruchsal)

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Galerie: Räume – Hauptbau – Eremitage Waghäusel (außerhalb von Schloss Bruchsal)

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Galerie: Museum – Hauptbau – Eremitage Waghäusel (außerhalb von Schloss Bruchsal)

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Galerie: Rotunde – Hauptbau – Eremitage Waghäusel (außerhalb von Schloss Bruchsal)

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Galerie: Treppen – Hauptbau – Eremitage Waghäusel (außerhalb von Schloss Bruchsal)

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Galerie: Keller – Hauptbau – Eremitage Waghäusel (außerhalb von Schloss Bruchsal)

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Galerie: Verschiedenes – Eremitage Waghäusel (außerhalb von Schloss Bruchsal)

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