Schloss Bruchsal: eine kurze Einführung


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Kurze Einführung | Schloss Bruchsal
Kurze Einführung | Schloss Bruchsal2018-11-03T12:35:00+00:00
Schloss Bruchsal - Hauptbau - Beletage - Kuppelsaal - Blick vom Marmorsaal in den Kuppelsaal (aufgenommen im April 2018, um die Mittagszeit)
Schloss Bruchsal - Von Außen - Hauptbau - Von Osten / Hofseite - Blick vom Ehrenhof auf die Ostfassade (aufgenommen im April 2018, am frühen Nachmittag)
Schloss Bruchsal - Hauptbau - Beletage - Kuppelsaal - Kuppel - Ausschnitt aus rekonstruiertem Kuppelfresko, oberhalb des Durchgangs zum Fürstensaal - Fürstbischof Damian Hugo von Schönborn als Erbauer der Residenz (gemalt von Johann Zick und Sohn Januarius, restauriert von Karl Manninger) (aufgenommen im April 2018, am Nachmittag)

Zusammenfassung: Bau und Nutzung

Schloss Bruchsal ist eine barocke Schlossanlage, im Norden der Stadt Bruchsal gelegen, bestehend aus mehr als 50 Einzelgebäuden. Sie diente etwa 80 Jahre als Residenz der Fürstbischöfe von Speyer.

Im Kern handelt es sich bei Schloss Bruchsal um eine Dreiflügelanlage, die auf Planungen des kurmainzischen Oberbaudirektors Maximilian von Welsch zurückgeht. Die Planungen gehen bis auf das Jahr 1720 zurück, die Grundsteinlegung war 1722.

Erbaut wurde die Schlossanlage unter Fürstbischof Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim (1676-1743), ausgebaut unter seinem Nachfolger Fürstbischof Franz Christoph von Hutten zum Stolzenberg (1706-1770). Es dauerte mehrere Jahrzehnte, bis der Bau und die Ausstattung auch im Innern einigermaßen vollendet waren.

Im Zuge der Säkularisierung fiel 1803 das rechtsrheinische Hochstift Speyer sowie das Schloss Bruchsal an Baden. Markgräfin Amalie von Baden nutzte das Schloss bis 1832 als Witwensitz. Danach nutzten vor allem Behörden und das Militär die Schlossanlage.

Zwischen 1900 und 1909 erfolgte die erste umfassende Renovierung von Schloss Bruchsal unter der Leitung von Fritz Hirsch.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, am 1. März 1945, wurde das Schloss im Zuge der Luftangriffe auf die Stadt schwer getroffen und brannte aus.

Ab 1947 wurden über mehrere Jahrzehnte die barocke äußere Gestalt der Schlossanlage und die prunkvollen Festsäle rekonstruiert. 1975 konnte der Hauptbau feierlich wiedereröffnet werden, erst 1991 war jedoch die Bemalung der Intrada abgeschlossen. Zwischen 2008 und 2017 wurde die ursprüngliche Raumfolge der Appartments in der Beletage des Hauptbaus wieder hergestellt.

Seit vielen Jahre ist Schloss Bruchsal, besonders der Hauptbau und die Gartenanlage, für Besichtigungen geöffnet. Es beherbergt im Hauptgebäude heute das Deutsche Musikautomaten-Museum und das Museum der Stadt Bruchsal. In Nebengebäuden sind Behörden wie das Amtsgericht oder das Finanzamt untergebracht.

Zeittafel: Schloss Bruchsal

1719Damian Hugo von Schönborn wird Fürstbischof von Speyer
1720Erste Entwürfe für die Schlossanlage von Maximilian von Welsch, die Bauleitung übernimmt Johann Georg Seitz
1722Grundsteinlegung zur Residenz, Baubeginn des Kammerflügels
1723Schönborn zieht in den Kammerflügel ein, Baubeginn des Kirchenflügels, Bauleiter wird Michael Ludwig Rohrer, Anstellung eines Hofgärtners
1725Baubeginn des Corps de Logis nach Plänen von Anselm Franz von Ritter zu Groenesteyn
Ab 1728Ausstattungsarbeiten im Corps de Logis, Ausmalung der Hofkirche durch Cosmas Damian Asam, Erweiterung des Schlossgartens
1731Balthasar Neumann entwirft das Treppenhaus. Bis zu seinem Tod 1753 bleibt er leitender Architekt des Schlossbaus
1732-1737Der Freskenmaler Giovanni Francesco Marchini arbeitet in Bruchsal
1738-1742Veränderungen im Ehrenhof und Bau des Kirchturms nach Plänen Neumanns
1740-1744Bau der Bruchsaler Peterskirche als Grabkirche der Fürstbischöfe, die Innenausstattung wird in den 1750er-Jahren vollendet.
1743Tod Schönborns, Franz Christoph von Hutten wird Fürstbischof von Speyer
1751-1759Wandfeste Ausstattung der Beletage durch Johann und Januarius Zick (Malereien), Johann Michael Feichtmayr (Stuckaturen), Ferdinand Hund (Schnitzarbeiten) und andere. Die Vollendung der Ausstattung mit Supraporten, weiteren Gemälden und Möbeln erstreckt sich bis in die frühen 1760er-Jahre
1755Johann Leonhard Stahl übernimmt die Leitung des fürstbischöflichen Bauwesens
1770Tod Huttens, Damian August von Limburg-Styrum wird Fürstbischof
1776Neugestaltung des Kammermusiksaals durch Joachim Günther im Louis-Seize-Stil
1797Tod Limburg-Styrums, Philipp Franz Nepomuk Wilderich von Walderdorff wird Fürstbischof
1803Bruchsal fällt an das Kurfürstentum Baden
1806Baden wird Großherzogtum. Amalie von Baden zieht ins Schloss. Umgestaltung des Schlossgartens durch Johann Michael Zeyher
1810Tod Walderdorffs
1832Tod der Amalie von Baden
1900-1909Sanierung des Schlosses, ab 1904 durch den badischen Bezirksbauinspektor Dr. Fritz Hirsch, Rekonstruktion der Fassadenmalereien
1920er JahreEinrichtung eines Schlossmuseums in der Beletage durch Hans Rott, Direktor des Badischen Landesmuseums Karlsruhe
1939-1945Während des Zweiten Weltkrieges werden die bedeutendsten Kunstgegenstände ausgelagert
1945Bombenangriff am 1. März auf Bruchsal. Zahlreiche Schlossgebäude und die Innendekorationen werden weitgehend zerstört
Ab 1946Erste Sicherungsmaßnahmen und Wiederherstellungsarbeiten
1964-1975Wiederaufbau des Corps de Logis und Rekonstruktion der Dekorationen der Festsäle. In den ehemaligen Appartements der Beletage entstehen moderne Ausstellungsräume für das Badische Landesmuseum
1970Weihe der im Innern modern gestalteten Hofkirche
197528. Februar: Eröffnung des wiederaufgebauten Schlosses. In der Beletage zeigt das Museum für höfische Kunst des Barock das gerettete Bruchsaler Kunstgut
1975Wiedereröffnung der 1945 zum großen Teil im Hohenegger-Gebäude untergegangenen Städtischen Sammlungen als Städtisches Museum im Schloss Bruchsal im südlichen Obergeschoss
1976-1996Fertigstellung der Außenanlagen, Rekonstruktion der Fresken im Erdgeschoss, Instandsetzung des Schlossgartens, Einrichtung der Dokumentation Gebaut — zerstört — wiedererstanden
1981Landesausstellung Barock in Baden-Württemberg im Schloss, Bruchsaler Stücke werden danach bis 2002 in der Dauerausstellung Höfische Kunst des Barock präsentiert
1984Einrichtung des Museums Mechanischer Musikinstrumente im Erdgeschoss und in den Zwischengeschossen des nördlichen Flügels des Haupt-baus, Außenstelle des Badischen Landesmuseums Karlsruhe
2003Große Sonderausstellung zu 200 Jahren Säkularisation: Kirchengut in Fürstenhand
2008-2016Wiederherstellung der historischen Raumfolge der Appartements der Beletage durch umfangreiche Sanierungs- und Umbaumaßnahmen
2014Wiedereröffnung des neugestalteten Deutschen Musikautomaten-Museums
2016-2017Sanierung der Ehrenhoffassaden, Umbau des Kassenbereichs
201728. April: Eröffnung der wiedereingerichteten Prunkräume der Beletage, das originale Kunstgut ist nun wieder im räumlichen Zusammenhang erlebbar
Mit freundlicher Genehmigung entnommen (und erweitert) aus Sandra Eberle, Petra Pechaček: Schloss Bruchsal - 2017, Seite 108-109

Zeittafel: Fürstbischöfe von Schloss Bruchsal

1676-1743Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim
ab 1719Fürstbischof von Speyer
ab 1721Kardinal
ab 1740Fürstbischof von Konstanz.
1706-1770Franz Christoph von Hutten zum Stolzenberg
ab 1743Fürstbischof von Speyer
ab 1761Kardinal
1721-1797Damian August Philipp Karl Reichsgraf von Limburg-Stirum
ab 1770Fürstbischof von Speyer
1739-1810Philipp Franz Wilderich Nepomuk Graf von Walderdorf
ab 1797Fürstbischof von Speyer

Übersicht: Bilddokumentationen von Schloss Bruchsal

um 1870Georg Maria Eckert dokumentiert das Schloss Bruchsal in mehr als 150 Aufnahmen und veröffentlicht 1871 eine Mappe mit 88 Blättern: "Das Schloss zu Bruchsal in Photographieen".
ab 1900Fritz Hirsch restauriert 1900 bis 1909 das Schloss Bruchsal und veröffentlicht 1910 ein Mappenwerk mit über 75 Bildaufnahmen: "Das Bruchsaler Schloss aus Anlass der Renovation (1900-1909)".
um 1930Der Fotograf Willi Burger erstellt eine umfangreiche Fotodokumentation mit mehr als 20 Aufnahmen.
1944/1945Die Fotografin Helga Schmidt-Gassner erstellt kurz vor der Zerstörung mehr als 45 Farbdias für eine geplante Fotodokumentation in Farbe.
nach 1945Insgesamt dokumentieren etwa 400 historische Aufnahmen das Aussehen der Festsäle und der daran anschließenden Räume der Beletage.
Quelle: Ulrike Grimme, Sandra Eberle: Historische Ansichten - glanzvolle Aussichten. Die Bruchsaler Prunkräume vor der Zerstörung - 2006

Übersicht: Bauherren von Schloss Bruchsal

Übersicht: Planer, Architekten, Bau- und Werkmeister von Schloss Bruchsal

Übersicht: Künstler von Schloss Bruchsal

Übersicht: Wiederaufbau von Schloss Bruchsal (in Arbeit)

1960-1974TreppenhaussaalRestaurierung des Treppenhaussaals (Kuppel, Hohlkehle, Stuckaturen, Malereien, Wandfassungen, Fenster, Ballustraden, Beleuchtungskörper, Bodenbelag etc)
1960-1964TreppenhaussaalRestaurierung der Stuckatur von Johann Michael Feichtmayr durch Jakob Schnitzer und Josef Schnitzer.
1964-1969TreppenhaussaalKarl Manninger rekonstruiert die Kuppel- und Kartuschen-Malereien von Johann Zick und Januarius Zick.
1989-1991IntradaHermenegild Peiker rekonstruiert die Malereien von Giovanni Francesco Marchini.
Quelle: Kurt Lupp: Schloss Bruchsal - Bau, Zerstörung und Wiederaufbau - 2003

Literatur

Siehe auch